Maileen

Als ich im sechsten Monat schwanger war und zum Kaffee geladen war blätterte ich die Tageszeitung nach interessanten Artikeln durch, als mein Blick auf dem Bericht über Hausgeburten hängen blieb. Heimlich schrieb ich mir einige Infos auf und schaute zuhause gleich im Internet.
Ich fand eine tolle Homepage und interessante Berichte über Geburten.
Es fesselte mich dies zu lesen. Das war es was ich schon in meiner ersten Schwangerschaft gesucht habe. Endlich bin ich zu diesem Thema fündig geworden.
Ich habe mich schon vor sehr langer Zeit mit dem Thema Hausgeburt beschäftigt und wusste,
dass dies für mich eine Möglichkeit war.
Also keine Zeit verlieren dachte ich mir und rief Andrea an. Sie war sehr freundlich und bot mir ein erstes Gespräch an. Ich freute mich über dieses Angebot und fieberte nun diesem Termin entgegen.
Es kam der Tag, an dem Andrea bei uns das erste Mal klingelte. Sie war mir gleich sympathisch und fragte mich ein wenig über meinen Wunsch zuhause zu entbinden aus.
Sie war noch nicht ganz weg und mein Entschluss stand fest, das ist es.
Unkompliziert und einfach in den eigenen vier Wänden mein Baby bekommen.
Der perfekte Start ins gemeinsame Leben dachte ich mir, keine Spur von Angst, nur Erleichterung über meinen Entschluss.
Als ich meinen Mann in diesen Wunsch einweihte, schaute er mich mit großen Augen an und suchte über das Thema im Internet. Er las über Risiko Hausgeburt und das Risiko Klinikgeburt und seine Vor- und Nachteile. Sein Entschluss mich zu unterstützen ließ nicht lange auf sich warten.
Unser Entschluss stand fest, das Abenteuer Hausgeburt ist was für uns.
Es war uns gleich klar: diese Entscheidung treffen nicht alle, aber das passt zu uns.
Vorausgesetzt die Schwangerschaft läuft weiter ohne Probleme und unsere Hebamme unterstützt uns dabei, dann soll es so sein. Unser Baby wird höchstwahrscheinlich eine Hausgeburt.
Andrea übernahm dann einige Vorsorgeuntersuchungen und die geburtsvorbereitende Akkupunktur und ging dann in die Rufbereitschaft.

Ein paar Tage vor der Geburt holte ich mir eine zweite Meinung wegen meines ungenauen Entbindungstermins ein. Der Arzt stellte fest, dass sich mein Fruchtwasser bereits verringert hatte und der Befund geburtsbereit war. Er sagte mir, dass es auf eine Einleitung in der Klinik hinauslaufen kann, wenn die nächsten Tage keine Wehen einsetzten. Das war nun eine Aussage, die mich sehr beschäftigte. So hatte ich es mir auf keinen Fall vorgestellt. Und nun wurde ich noch ungeduldiger als ich sowieso schon war.

Zuhause angekommen rief ich Andrea an und berichtete ihr von dem Untersuchungsergebnis.
Sie beruhigte mich und legte mir ans Herz am nächsten Samstag nochmal die Fruchtwassermenge kontrollieren zu lassen. Da ich meine Vorsorgeuntersuchung sowieso in der Klinik geplant hatte, passte das ganz gut. (Meine Ärztin war im Urlaub und ich passte nicht mehr hinter das Lenkrad 🙂

Nach einigen Fehlalarmen und durchwachten Nächten, kam dann irgendwann der 23. Juni 2012.
Es waren noch acht Tage bis zum errechneten Geburtstermin, der allerdings nun keine große Rolle mehr spielte.
Es war mal wieder eine Nacht mit vielen unregelmäßigen, mal kräftigen und dann wieder schwachen Wehen. Die halbe Nacht habe ich mich im Bett herum gerollt und dann bin ich aufgestanden und habe in Küche und Wohnzimmer herumgepoltert. Mein Mann war nun auch nicht mehr im Bett zu halten, er fragte sich, wie lange diese Nächte noch andauern sollen bis unser Baby endlich da ist.
Gegen 8 Uhr habe ich Andrea über meine Nacht informiert und bat sie zur Kontrolle.
Mein Befund war unverändert und nur ein wenig Schleim ging ab.
So verließ mich Andrea und sagte, ich sollt mich melden nach der Untersuchung.

Um 11 Uhr hatten wir einen Vorsorgetermin in der Klinik. Es wurde ein CTG im Kreissaal geschrieben und dieses war anfangs ohne sichtbare Wehen. Als jedoch eine kräftige Wehe kam und ich das Gesicht verzog, war die Hebamme zur Stelle und löste das CTG ab.
Glück gehabt, sie hat mein Gesicht nicht gesehen und die halbe aufgezeichnete Wehe nicht beachtet.
Nun bin ich kurz zum WC und dort bemerkte ich das frische Blut. Ich nahm mir eine Vorlage und hoffte, dass es nicht schlimmer wird und vor allem nicht auffällt. So bin ich weiter zur Ultraschalluntersuchung: dieser Befund war super, Fruchtwassermenge absolut in Ordnung und das Kind gut entwickelt. Und keine Wehen dabei. 🙂
Dann wurde der Muttermund untersucht und es war nur wenig Blut am Untersuchungshandschuh. Der Arzt sagte, dass wir uns sicher heute noch mal wiedersehen werden. Ich lächelte nach innen und hoffte es nicht.
Er entließ mich mit einem Lächeln und sagte ich sollte mir keine Sorgen machen.

Um 12 Uhr waren wir auf dem Weg nach Hause und bereits im Auto merkte ich die Wehen deutlicher. Ich rief Andrea an und informierte sie darüber. Ich sollte mich melden wenn sie kräftiger werden. Dann machte ich es mir bequem auf der Couch und schaute entspannt TV. Die Wehen waren gut auszuhalten und mein Mann wurde langsam kribbelig.
Er fragte mich ob ich das nicht auf Morgen verschieben könnte, draußen im Garten gibt so viel zu tun. Um mich in Ruhe zu entspannen, sagte ich ihm er kann draußen weiter machen. Was er dann auch gern tat.
Ich beobachtete ihn durch das Fenster. Alle Nachbarn ringsum waren draußen der eine bereitete einen Grillabend vor, der nächste war beim Holz spalten und der dritte machte das Unkraut zwischen den Blumen weg. Sie Sonne war kräftig und der Himmel strahlte in himmelblau. Es war ein wunderbarer Tag, um ein Baby zu bekommen, dachte ich mir.
Mein Mann stürmte regelmäßig ins Wohnzimmer, um nach mir zu sehen, der nervte mich schon, denn der Film den ich schaute war spannend.
Als ich nun zum Veratmen der Wehen zwischen Couchtisch und Couch hockte habe, bekam ich von ihm den Befehl sofort Andrea anzurufen. Da meine Wehen aber weiter unregelmäßig waren ließ ich mir damit noch ein wenig Zeit.
Gegen 15.30 Uhr rief ich dann bei ihr an und sagte sie könnte dann langsam losfahren, da sie noch eine Stunde entfernt war.
Kurz nach 16.15 Uhr traf Andrea bei uns ein. Ich öffnete ihr die Tür. Sie stellte ihre Taschen und den Gebärhocker im Flur ab. Ich glaube, jetzt wird es ernst, unser Baby wird die Nacht das Licht der Welt erblicken.
Der Muttermund war zu dem Zeitpunkt 5 cm geöffnet und der Kopf fest im Becken.

Nach einigen organisatorischen Dingen setzte sie sich in unsere Küche und erledigte Schreibarbeiten.
Ich überlegte mir, ein schönes warmes Bad zu nehmen und es mir dort gemütlich zu machen. Im schönen warmen Wasser brauchte ich eine ganze Weile mich wieder zu entspannen. Das Wasser hatte ich sehr heiß eingelassen.
Andrea lächelte mich an und legte alle Sachen bereit für die Geburt. Ich wunderte mich, aber war mir zu diesem Zeitpunkt sicher an Land zu entbinden.

Nun wurden die Wehen kräftiger und ich setzte mich bei jeder Wehe aufrecht in die Wanne.
Mein Mann schaute mich dabei immer groß an bis ich ihm sagte, er solle sich etwas zu lesen holen. So hatte er dann die Sonderausgabe der Bildzeitung von diesem Tag in der Hand.

Um 17.10 Uhr kam Susanne bei uns an und sie schauten nach mir. Die Wehen wurden immer intensiver und ich hatte Mühe sie zu veratmen. Der Druck nach unten wurde immer stärker.
Um 18.00 Uhr kamen die Wehen alle zwei Minuten und der MM war bereits 6-7 cm geöffnet.
18.22 Uhr: der Muttermund war vollständig geöffnet und ich bekam langsam das Gefühl mit zu drücken. Andrea gab war dabei gute Anweisungen.
18.25 Uhr die Herztöne vom Baby werden kontrolliert, alles super.
18.35 Uhr ich kann das Köpfchen fühlen und mein Mann kann es auch sehen.
18.37 Uhr  Die letzte schmerzhafte Wehe ist vorbei. Unser Baby ist da! Andrea legt mir das Baby auf den Bauch. Sie deckte es gleich mit einem Handtuch ab. „Bist du süß und so winzig!“ sind meine ersten Worte.
Ein kleines glitschiges Wesen mit blasser Haut und einem verschrumpeltem Gesicht lag nun auf mir.
Geschafft! Unser kleines Wunder!
Dann die große Frage, was ist es denn? Die ganze Schwangerschaft hatten wir keine Ahnung, was wir bekommen. Die Spannung war nun kaum noch zum Aushalten. Mit meiner rechten Hand hob ich das Handtuch hoch und siehe da, ein kleines Mädchen. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen.

Dann bekam ich von Susanne ein Zauberplätzchen und ich bekam einen Krümel in den Hals und musste Husten.
18.45 Uhr Die Nabelschnur war auspulsiert. Kurz darauf beginnen die Nachwehen.
18.50 Uhr Unser Baby hat eine rosige Farbe bekommen und beginnt nach Nahrung zu suchen.
18.58 Uhr Immer noch habe ich einen Krümel im Hals, der einen Hustenreiz ausgelöst und dabei huste ich die Plazenta raus. 🙂
19.00 Uhr Ich gehe in mein Bett und unser Baby wird zwischen uns gewogen, gemessen und die Herztöne kontrolliert. Es ist schön dies genau zu beobachten. Dann bekam sie ihre erste Stoffwindel umgebunden und wurde zurück auf Mamas Brust gelegt. Endlich konnte ich wieder mit ihr kuscheln. Anschließend fragte uns Andrea nach dem Namen und wir sagen Maileen. Ein schöner Name, erwiderten Andrea und Susanne.

Nun ist ein halbes Jahr vergangen und wir schauen auf eine erfolgreiche Stillzeit ein entspanntes Wochenbett und einige schlaflose Nächte zurück. Auf wunderschöne und auch anstrengende Momente mit unseren zwei Kindern.
Unser Baby wird langsam mobil und will nicht mehr einfach nur rumliegen und auch der erste Brei erfreut sich großer Beliebtheit.
Wir denken gern an den Zauber des Anfangs zurück und verbinden diese Zeit mit schönen Erinnerungen und einigen schönen Fotos die Susanne nach der Geburt gemacht hat.
Es war eine sehr schöne Zeit und wir sagen herzlich Danke an Andrea und ihre Kollegin Susanne.